Das Stadtcafé Sander in Mülheim –Ihr Konditor seit 1760

Die Konditorfamilie Sander

Die Konditorfamilie Sander

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich aus der Zuckerbäckerei die Konditorenkunst. In diese Zeit fällt die Gründung unseres Unternehmens. Allerdings war Georg, genannt Jörgen, Sander (22.05.1714 - 02.05.1790) zunächst nur Bäcker in Mülheim an der Ruhr.

Neben traditionellen Broten und einer „Handvoll trockener Mehlwaren“ verkaufte er damals bereits Pfefferkuchen und Zuckerwaren. Außerdem konnten bei ihm Familien aus Mülheim Ihren selbst hergestellten Teig backen lassen, was zu jener Zeit üblich war.

Inzwischen arbeitete auch Sohn Dietrich (09.07.1760 - 19.02.1837) im Betrieb mit. Im Gründungsjahr der Bäckerei geboren, hatte er das Bäckerhandwerk von seinem Vater gelernt. In den 1780er Jahren übernahm er das Geschäft.

Aus Bäcker wird Konditor – der Schwerpunkt der Arbeit veränderte sich

Dass süßes und feines Gebäck immer mehr in Mode kam, erkannte auch Dietrich Sander schnell. Er kreierte Schokotörtchen, die begeisternden Absatz fanden. Das Geschäft florierte, sodass ein Geselle und ein Lehrling angestellt wurden.

Der Sohn von Dietrich und seiner Frau Catharina, Hermann (08.02.1802 – 22.10.1863), wurde ebenfalls Bäcker. Mit seinem Kuchenangebot und dem in Mode gekommenen Weißbrot überflügelte er die anderen Bäckereien in Mülheim. In der Biedermeierzeit nahm Sander auch die Produktion von den damals so beliebten Bonbons auf. Als Erster in Mülheim stellte Sander „Fondants“, kandierte oder mit Zucker überzogene Früchte, her.

Erst die vierte Unternehmergeneration der Familie Sander nannte sich ausschließlich „Konditor“ und grenzte sich damit vom bodenständigeren Bäckereihandwerk ab.

Das Sander Haus um 1935 (leider im Krieg zerstört)

Das Sander Haus um 1935
(leider im Krieg zerstört)

Wir waren eines der ersten Cafés in der Gegend um Mülheim an der Ruhr

August Sander (04.11.1841 - 09.01.1885), Sohn von Hermann, wurde Konditor und stellte die Bäckerwaren ein. Als gelernter Konditormeister fertigte er nur noch feines Backwerk und Konditorware. 1868 eröffnete er als Erster in der Gegend ein Café. Feinere Kundschaft traf sich im Café Sander und wurde dort dienstfertig bedient.

Als August 1885 starb, war seine Frau Marie 42 Jahre alt und hatte 5 Kinder. Die Witwe führte das Unternehmen erfolgreich allein weiter. Sie stellte einen Konditor ein, erweiterte den Verkaufsraum und renovierte das Café.

1895 ließ sie das alte Stammhaus abreißen und einen prächtigen Neubau im neobarocken Stil errichten. Es war ein Eckhaus mit Kuppeldach und zwei flügelschlagenden Adlern auf der Weltenkugel. Die Adresse war Kohlenkamp 10, eine der besten Geschäftslagen in Mülheim.

Gustav Sander mit Mitarbeitern um 1921

Gustav Sander mit Mitarbeitern um 1921

Baumkuchen wurde die Spezialität unserer Konditoren in Mülheim – und ist es bis heute

1910 übernahm Gustav Sander (01.07.1881 - 25.06.1950) das Unternehmen und hat es maßgeblich weiterentwickelt. Er machte den Baumkuchen zum Wahrzeichen der Konditorei. Noch heute wird der Sandersche Baumkuchen nach seinem Original-Rezept hergestellt.

Im und nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Nahrungsmittel rationiert wurden, musste wieder nach Kriegsrezepten gebacken werden. Tragisch für die Familie Sander war der Tod beider Söhne, Gustav und Helmut, die ebenfalls den Beruf Konditor erlernt hatten.

1950 starb Gustav Sander. Seine Frau Ermine führte den Betrieb 13 Jahre tatkräftig unterstützt von ihren vier Töchtern.

Das Café 1964

Das Café 1964

Nach dem Krieg bezogen unsere Konditoren in Mülheim ein neues Geschäftsgebäude

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Sandersche Haus bis auf einige Bombenschäden, die neue Innenstadtplanung von Mülheim leider nicht. Das herrliche Gebäude samt Café wurde zur „verkehrsmäßigen Aufschließung der Innenstadt“ abgerissen.

Fünfzig Meter weiter, im Kohlenkamp 12, wurde 1952 das neue „Stadtcafé Sander“ errichtet. Es war eines der größten Geschäftsbauten der Nachkriegszeit in Mülheim.

Das neue Café bot rund 200 Gästen Platz. Ermine richtete es zeitgemäß ein und die Konditoren nahmen Ihre Arbeit wieder auf.

Der Laden 1964

Der Laden 1964

In Mülheim an der Ruhr sind wir bis heute durch und durch eine Konditoren-Familie

Die Tochter Marie (geboren 12.08.1921) heiratete 1949 ebenfalls einen Konditor, Friedrich Großenbeck (geboren 07.05.1921). Als der Konditorgeselle 1948 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, fand er Arbeit bei Gustav Sander. 1950 machte er seine Meisterprüfung.

1963 übernahm er das Stadtcafé in Mülheim, das im Familienbesitz weitergeführt werden konnte – nunmehr in der sechsten Generation.

Es war die Zeit des Wirtschaftswunders: Nach der Hungerzeit war der Appetit auf alles, was vorher Mangelware war, ungebremst. Unsere Konditoren erweiterten das Angebot um zahlreiche neue Torten und andere Spezialitäten. Wie sein Schwiegervater war auch Friedrich Großenbeck Obermeister der Konditoreninnung.

Alle drei Kinder der Großenbecks – Ursula (geboren 31.07.1950), Monika (geboren 14.05.1954) und Friedhelm (geboren 27.12.1959) gingen in die Branche der Familie: Friedhelm und Ursula machten die Ausbildung zum Konditor, Monika zur Konditorei-Fachverkäuferin. Friedhelm Großenbeck setzt als Geschäftsführer und Konditormeister die Unternehmenstradition in Mülheim fort.

Wir sind Konditoren aus Leidenschaft – und das seit über 250 Jahren

Seine Frau Anke (geborene Holthaus am 10.03.1965) arbeitet, obwohl sie zwei Kinder hat – Martin (gebore 24.02.1989) und Anja (geboren 01.08.1991), wie alle Sander-Frauen im Unternehmen mit großem Einsatz mit.

Außerdem besitzt Anke Sachkenntnis: Sie ist gelernte Konditorin, ihre Lehre machte sie im familieneigenen Betrieb. Wie es der Familientradition entspricht, ist heute ihr Platz hinter dem Verkaufstresen, wobei sie auch immer noch gerne in der Backstube mithilft.

2005 wurde das Stadtcafé Sander in Mülheim von der Gourmet-Zeitschtrift „Feinschmecker“ als eines der besten Cafés in Deutschland empfohlen. Darauf sind unsere Konditoren sehr stolz.

Noch heute ist unser Wahlspruch „Qualität, die man schmeckt“ Programm.

Mit freundlicher Unterstützung von Frau Dr. Barbara Kaufholt.